Entlastung des Handelskonflikts/Kanada stellt Stahl- und Autoindustrie Milliardenhilfen in Aussicht

Veröffentlicht: 22.10.2026

Die kanadische Regierung will der Stahlindustrie und den Automobilherstellern des Landes Milliarden an finanzieller Unterstützung bereitstellen. Angesichts des Handelsstreits mit den USA sehen sich diese Branchen mit möglichen Arbeitsplatzverlusten konfrontiert. Die Finanzhilfen belaufen sich auf insgesamt 7,5 Milliarden kanadische Dollar (5,3 Milliarden US-Dollar). Kanadas Premierminister Mark Carney zufolge soll das Geld den Stahlherstellern helfen, ihre Werke zu modernisieren, um Produkte für den heimischen Markt und Märkte außerhalb der USA herzustellen. Zudem sollen die Automobilhersteller dabei unterstützt werden, die Umstellung auf die Produktion von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen.Es handelt sich um die jüngste Tranche staatlicher Hilfen – insgesamt mehr als 30 Milliarden kanadische Dollar – für Unternehmen und Beschäftigte, die seit der Einführung hoher Zölle auf ausländische Metalle und Automobile durch US-Präsident Donald Trump unter finanziellem Druck stehen. Vor Beginn von Trumps zweiter Amtszeit war Kanada der größte ausländische Lieferant von Stahl und Aluminium für die USA. Verhandlungen über eine Entlastung von den US-Zöllen scheiterten im August. Dies führte zu einer erneuten Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen den eng verflochtenen Volkswirtschaften.
 
Carney stellte die neuen Hilfen auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt gemeinsam mit Doug Ford vor, dem Premierminister von Ontario, der bevölkerungsreichsten kanadischen Provinz. Ontario ist zugleich der wichtigste Standort der kanadischen Stahl- und Automobilindustrie. Zusätzlich zu den Mitteln für die Stahl- und Automobilbranche stellte Carney eine Milliarde kanadische Dollar für den Bau von Straßen bereit, die den Zugang zu Seltenerdvorkommen im Norden Ontarios ermöglichen sollen. Die abgelegene Region ist in der Bergbauindustrie als "Ring of Fire" bekannt.
 
Die Hilfen für den Metallsektor kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die kanadische Regierung mit Cleveland-Cliffs über die Pläne des US-Stahlherstellers streitet, Beschäftigte in seinen Werken in Ontario zu entlassen. Kanadische Regierungsvertreter haben angekündigt, alle verfügbaren rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um sicherzustellen, dass Cliffs die Beschäftigungszusagen einhält, die das Unternehmen im Zuge der staatlichen Genehmigung seiner Übernahme von Stelco im Jahr 2024 gemacht hatte.
 
Cleveland-Cliffs-Chef Lourenco Goncalves erklärte, das Unternehmen habe nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Ein vorübergehender Personalabbau sei notwendig, um die Geschäftstätigkeit neu auszurichten und dem durch die Zölle verursachten Druck auf die Branche entgegenzuwirken.
 
"Wenn man gegenüber der kanadischen Regierung eine Verpflichtung eingeht, hält man diese ein. Und die Regierung wird Unternehmen für die Einhaltung dieser Verantwortung zur Rechenschaft ziehen", sagte Carney. Anfang dieser Woche erklärte die kanadische Industrieministerin Melanie Joly, die Regierung habe externe Anwälte mit der Prüfung einer möglichen Klage gegen Cliffs beauftragt.
 
Unterdessen stecken der Automobilhersteller Stellantis und seine rund 9.000 gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in Kanada in einer Sackgasse bei den Tarifverhandlungen. Hintergrund sind Pläne von Stellantis, ein Werk im Großraum Toronto an ein einheimisches Rüstungsunternehmen zu verkaufen. Die Gewerkschaft und kanadische Regierungsvertreter befürchten erhebliche Arbeitsplatzverluste, sollte Stellantis die Produktion in dem Automobilwerk nicht wieder aufnehmen. Das Werk steht seit 2024 still.
 
Auf der Pressekonferenz erklärte Carney, er habe am selben Tag längere Zeit mit Trump über Handelsfragen sowie die Entwicklungen im Nahen Osten und in der Ukraine gesprochen. Carney bekräftigte, dass die kanadische Regierung bereit sei, die Verhandlungen mit den USA über ein Abkommen zur Zollentlastung für kanadischen Stahl, Aluminium und Automobile wieder aufzunehmen.MBI/DJN/gil/22.10.2026
 

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