Veröffentlicht: 05.10.2026
Die technische Voraussetzung für einen radikalen Umbau des Energiesystems ist längst da: Rund 90 Prozent des weltweiten Endenergiebedarfs könnten heute technisch elektrifiziert werden. Bei etwa 75 Prozent wäre der Umstieg bereits wirtschaftlich. Trotzdem deckt Strom bislang nur 21 Prozent des Endenergieverbrauchs ab. "Für den Klimaschutz klafft damit eine gewaltige Lücke zwischen dem Machbaren und dem tatsächlich Erreichten", schreibt Gavon Mooney auf der Plattform LinkedIn.
Die erste Elektrifizierungswelle erfasste vor allem Beleuchtung, Haushaltsgeräte und Elektromotoren. Sie veränderte Alltag und Industrie, blieb beim Energieverbrauch aber vergleichsweise begrenzt. Jetzt geht es um die großen fossilen Brocken: Verkehr, Gebäudeheizung und industrielle Prozesse.
Der technologische Durchbruch mache diesen Schritt zunehmend attraktiv. Batterien, Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen sowie Wind- und Solarstrom seien günstiger, leistungsfähiger und breiter verfügbar als noch vor wenigen Jahren. Elektroautos könnten Verbrennungsmotoren ersetzen, Wärmepumpen fossile Heizungen verdrängen. In der Industrie kämen Elektroöfen, Elektroheizungen und weitere strombasierte Verfahren hinzu.
Der entscheidende Klimavorteil: Elektrifizierung spart nicht nur fossile Brennstoffe, sie erhöht zugleich die Energieeffizienz. Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen können rund dreimal effizienter sein als ihre fossilen Alternativen. Eine Einheit Strom kann damit mehrere Einheiten fossiler Energie ersetzen.
Doch der Strom selbst muss sauber sein. Wind- und Solarenergie haben die Emissionsintensität der Stromversorgung bereits deutlich gedrückt – der Umbau ist aber noch nicht abgeschlossen. Je mehr fossile Anwendungen elektrifiziert werden, desto größer wird deshalb der Druck, den Stromsektor parallel zu dekarbonisieren.
Die Energiewende steht damit vor ihrem nächsten Sprung: Nicht nur Strom sauberer erzeugen, sondern ihn dort einsetzen, wo heute noch Öl, Gas und Kohle die Arbeit erledigen. Das Potenzial sei enorm. Die tatsächliche Elektrifizierung stehe aber erst am Anfang.
MBI/sir/5.10.2026