Veröffentlicht: 01.10.2026
Die EU kommt beim Klimaschutz zu langsam voran. Zwar sind die CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen im ersten Halbjahr 2026 um 2 Prozent gesunken. Doch das reicht bei weitem nicht, um das für 2030 angestrebte Emissionsniveau rechtzeitig zu erreichen. Bleibt das Tempo unverändert, würde die EU den entsprechenden Zielwert erst 2034 erreichen – vier Jahre nach dem gesetzten Termin. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea) hervor.
Von Januar bis Juni sanken die fossilen CO₂-Emissionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20,9 Millionen Tonnen auf 1,04 Milliarden Tonnen. Damit liegt die EU laut CREA rund 17 Millionen Tonnen über dem erforderlichen Zielpfad. Für das Erreichen des 2030-Ziels müsste der jährliche Rückgang bei 3,6 Prozent liegen – nahezu doppelt so hoch wie der derzeitige Rückgang.
Besonders auffällig ist, woher die Einsparungen kommen. Die Ölnachfrage in Industrie und Gebäuden brach um 10,8 Prozent ein und lieferte rund drei Fünftel der gesamten Emissionsminderung. Ein erheblicher Teil dieses Rückgangs fällt allerdings in die Monate nach Beginn der Hormus-Krise, die das Ölangebot verknappte und die Preise nach oben trieb. CREA warnt deshalb, dass ein Teil des Effekts wieder verschwinden könnte, sobald sich die Preise normalisieren und Verbraucher ihre Vorräte auffüllen.
Beim Gas zeigt sich sogar eine gegenläufige Entwicklung: Die Emissionen stiegen um 0,9 Prozent beziehungsweise 3,1 Millionen Tonnen. Auch im Stromsektor legten die fossilen Emissionen um 2 Prozent zu. Grund war vor allem der höhere Einsatz von Gaskraftwerken während des kalten Jahresbeginns.
Dabei wächst die erneuerbare Stromerzeugung weiter. Wind und Solar produzierten im ersten Halbjahr mit 458 Terawattstunden so viel Strom wie nie zuvor in einem ersten Halbjahr und übertrafen erneut Kohle und Gas zusammen.
Deutschland und Frankreich erzielten die größten absoluten Emissionsminderungen: In Deutschland sanken die fossilen CO₂-Emissionen um 9,1 Millionen Tonnen, in Frankreich um 8,6 Millionen Tonnen.
Die Analyse zeigt damit ein widersprüchliches Bild: Der Ausbau sauberer Energien drückt die Emissionen, doch der Rückgang ist insgesamt zu langsam. Zudem beruhen wichtige Einsparungen auf Sondereffekten. Für einen dauerhaften Kurs Richtung 2030 müssten nach Einschätzung von CREA Stromversorgung, Gebäude und Verkehr deutlich schneller elektrifiziert und der Einsatz fossiler Energien weiter zurückgedrängt werden.MBI/sir/1.10.2026