Myanmar-Zertifikate/Erster Paris-Klimamarkt startet mit Streit

Veröffentlicht: 01.10.2026

Der neue UN-Kohlenstoffmarkt steht bereits bei seiner ersten Credit-Ausgabe unter Druck. Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern, die ersten nach dem Paris-Abkommen ausgegebenen Klimaschutz-Zertifikate auszusetzen. Im Zentrum steht ein Kochherdprojekt in Myanmar, das nach UN-Angaben den Auftakt für den neuen Mechanismus nach Artikel 6.4 bildet.
 
Die Kritiker bezweifeln sowohl die Integrität der Emissionsminderungen als auch die Einhaltung von Menschenrechtsstandards. Sie werfen dem Projekt vor, unter Bedingungen weitergeführt worden zu sein, in denen eine unabhängige Kontrolle vor Ort kaum möglich gewesen sei. Hintergrund ist die politische und militärische Situation in Myanmar seit dem Putsch von 2021.
 
Besonders brisant ist der Vorwurf des "Over-Creditings". Nach Analysen von Carbon Market Watch könnten die dem Projekt zugerechneten Emissionsminderungen weiterhin deutlich über den tatsächlich erzielten Einsparungen liegen. Selbst nach Korrekturen gegenüber der früheren Methodik seien die Minderungen möglicherweise noch um ein Vielfaches überschätzt.
 
Die Organisationen verlangen deshalb eine unabhängige Überprüfung und bis dahin einen Stopp weiterer Ausgabe, Übertragung und Nutzung der Credits. Für den Article-6.4-Mechanismus geht es damit um mehr als ein einzelnes Kochherdprojekt: Die erste Credit-Ausgabe soll beweisen, dass der unter dem Pariser Abkommen geschaffene Markt strengere Integritätsregeln durchsetzen kann als frühere CDM-Projekte. Genau diese Glaubwürdigkeit steht nun auf dem Prüfstand.
 
Die UN hatte die erste Ausgabe im Februar 2026 als wichtigen Schritt für die Umsetzung des Pariser Abkommens bezeichnet. Gegenüber dem früheren Clean Development Mechanism seien die anerkannten Emissionsminderungen bereits deutlich reduziert worden. Die neue Kritik zeigt jedoch, dass selbst diese Verschärfungen aus Sicht von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen nicht ausreichen.MBI/sir/1.10.2026
 

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