Veröffentlicht: 30.07.2026
Neue Archivdokumente belasten Shell in einem aufsehenerregenden Klimaverfahren in Großbritannien. Im Mittelpunkt steht ein Zivilprozess, den Opfer des Taifuns Rai (Odette) von 2021 gegen den Ölkonzern angestrengt haben. Sie werfen Shell vor, seit den 1960er Jahren über die Klimafolgen fossiler Brennstoffe informiert gewesen zu sein, die Öffentlichkeit jedoch nicht gewarnt und stattdessen klimaskeptische Kampagnen unterstützt zu haben, berichtet die Internetplattform desmog.
Grundlage seien bislang unveröffentlichte Berichte des britischen Wissenschaftlers James Lovelock, die Shell 1966 in Auftrag gegeben habe. Darin komme Lovelock zu dem Schluss, dass sich das Klima "mit nahezu sicherer Gewissheit" verschlechtere und die Verbrennung fossiler Brennstoffe wahrscheinlich die Ursache sei. In weiteren vertraulichen Studien warnte er vor irreversiblen Veränderungen des Erdsystems und bezeichnete die möglichen Folgen als so gravierend, dass zusätzliche Forschung notwendig sei. Shell behandelte die Erkenntnisse streng vertraulich und untersagte Lovelock, mit Außenstehenden darüber zu sprechen.
Die Kläger argumentieren nun, Shell habe dieses Wissen jahrzehntelang zurückgehalten und später Organisationen unterstützt, die Zweifel am menschengemachten Klimawandel säten. Shell weist die Vorwürfe zurück und betont, das Wissen über den Klimawandel sei seit Jahrzehnten öffentlich gewesen und nicht exklusiv dem Unternehmen bekannt gewesen.
Besondere Bedeutung erhält der Fall, weil erstmals ein Ölkonzern für konkrete Todesfälle, Verletzungen und Sachschäden infolge eines einzelnen Extremwetterereignisses im Globalen Süden haftbar gemacht werden soll. Möglich wird dies durch Fortschritte der sogenannten Attributionsforschung, die den Einfluss des Klimawandels auf einzelne Wetterereignisse wissenschaftlich quantifizieren kann.MBI/sir/30.7.2026