Studie/Bio-Markt bleibt von Kostensteigerungen nicht verschont

Veröffentlicht: 22.06.2026

Der Bio-Markt gilt als krisenfest. Denn die Nachfrage in diesem Segment hängt weniger vom Preis als vielmehr von Faktoren wie Gesundheit, Umwelt und Werten ab. Doch aktuelle geopolitische Spannungen und anhaltend hohe Kosten stellen diese Stärke auf die Probe. Dies stellt das Portal Ökolandbau.de in einer Bestandsaufnahme zur aktuellen Resilienz des Bio-Marktes fest. Demzufolge erweisen sich insbesondere Energie-, Transport- und Verarbeitungskosten als wachsende Belastungen, wie das Portal aus neuen Marktdaten ableitet. Danach erlebte der Bio-Markt in Deutschland rückblickend seit den frühen 2000er Jahren eine Reihe tiefgreifender Krisen, die das Konsumentenverhalten im Lebensmittelmarkt nachhaltig beeinflussten: wie im Zuge der BSE-Fälle 2001, des EHEC-Ausbruchs 2011 oder der Pferdefleischaffäre 2013. Dabei handelte es sich weniger um Angebots- als um Vertrauenskrisen, wie das Portal konstatiert. Die Vorkommnisse führten nämlich zu einer starken Verunsicherung der Verbraucher hinsichtlich Herkunft, Transparenz und Kontrollmechanismen in der konventionellen Lebensmittelproduktion. Auch während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 habe sich der Bio-Markt als vergleichsweise stabil erwiesen, rekapituliert Ökolandbau.de. Zwar verhielten sich Verbraucher da preissensibler, dennoch hielt ein großer Teil der Bio-Kundschaft am Bio-Konsum fest. Die Nachfrage verlagerte sich teilweise in günstigere Bio-Sortimente und stärker in den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), doch es kam zu keinem grundlegenden Nachfragerückgang. Diese Phase zeigte laut dieser Analyse erstmals deutlich: Der Bio-Konsum ist weniger konjunkturabhängig als lange angenommen, da er häufig mit Gesundheits-, Umwelt- und Werteorientierung verbunden ist und nicht ausschließlich preisgetrieben erfolgt. Die Corona-Pandemie stellte den bisher deutlichsten Belastungstest für den Lebensmittelmarkt dar, wie das Portal berichtet. Und zugleich den Höhepunkt der Bio-Nachfrageentwicklung: Denn in den Jahren 2020 und 2021 nahm der Bio-Umsatz in Deutschland massiv zu – aufgrund eines verstärkten Konsums zuhause, höherer Aufmerksamkeit für Gesundheit und Ernährung, einer Aufwertung von Kochen und Vorratshaltung sowie einem Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle bei den Konsumenten. Davon habe der Bio-Markt überproportional profitiert, erläutert Ökolandbau.de: Die Nachfrage legte deutlich stärker zu als der Gesamtmarkt, was sich in Rekordumsätzen und einer Ausweitung der Bio- Sortimente im LEH widerspiegelte. Als einen zentralen Resilienzfaktor des ökologischen Landbaus hebt das Portal dessen geringere Abhängigkeit von fossilen Betriebsmitteln hervor. Während die konventionelle Landwirtschaft stark auf energieintensive Mineraldünger angewiesen sei, basiere der Ökolandbau auf geschlossenen Nährstoffkreisläufen, vielfältigen Fruchtfolgen und dem Einsatz von Leguminosen sowie tierischem Dünger, argumentieren die Verfasser der Betrachtung. Damit sei der Ökolandbau deutlich weniger exponiert gegenüber den stark schwankenden Düngemittelpreisen, die geopolitische Konflikte regelmäßig auslösen, folgern die Autoren. Nun jedoch sei Kostendruck auch für Bio-Betriebe spürbar, heißt es weiter. Denn die aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten führen weltweit zu Verunsicherungen auf den Energie- und Agrarmärkten. Steigende Öl- und Gaspreise, unterbrochene Handelswege sowie volatile Rohstoffmärkte erhöhten erneut den Druck auf die Land- und Ernährungswirtschaft, zählen die Verfasser der Analyse auf. In diesem Umfeld bleibe auch der Bio-Markt nicht von den Folgen externer Krisen verschont. Vielmehr belasteten steigende Energie-, Transport- und Verpackungskosten auch alle Stufen der Bio-Wertschöpfungsketten, erklärt Ökolandbau.de. Besonders deutlich ist der Kostendruck demnach in energieintensiven Bereichen der Verarbeitung: Im Bio-Eier und Bio-Geflügelmarkt führten stark gestiegene Energie- und Futtermittelkosten zu Rekordwerten bei den Packstellenabgabepreisen, ohne dass die Mehrkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette vollständig kompensiert werden könnten, stellen die Analysten fest. Nach ihren Marktdaten wächst auch im Bio-Milch- und Bio-Molkereisektor der Druck vor allem auf der Verarbeitungsebene, da Prozesse wie Kühlung, Pasteurisierung und Trocknung erheblich teurer geworden sind. Diese Kostensteigerungen ließen sich bislang nur teilweise an den LEH weitergeben, resümieren die Autoren. Bei Bio-Frische insgesamt sehen sie das Verbraucherpreisniveau weiterhin hoch, was darauf hindeuten soll, dass ein Teil der zusätzlichen Kosten bereits bei den Kunden angekommen ist. Als Fazit der Untersuchung stellt Ökolandbau.de fest: Der Bio-Markt reagiert zwar nicht abrupt auf geopolitische Krisen, befindet sich jedoch zunehmend in einer kostengetriebenen Anpassungsphase, in der Energiepreise eine zentrale Rolle spielen.MBI/jc/ste/22.6.2026 

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