Veröffentlicht: 22.06.2026
Der Weltdachverband für den Straßentransport IRU fordert Nachbesserungen am EU-Gesetz "Industrial Accelerator Act" (IAA), mit dem die Europäische Kommission die industrielle Basis der EU stärken, strategische Abhängigkeiten reduzieren und Investitionen in saubere Technologien beschleunigen will. Ziel des Gesetzes ist es, über finanzielle Förderung, spezielle Industriegebiete und neue Beschaffungsregeln die Entwicklung strategischer Projekte in der EU zu unterstützen und stärker auf europäische Wertschöpfungsketten zu setzen. Der IRU äußerte sich im Rahmen der Konsultationsphase für das neue Gesetz (https://bit.ly/4gAnfyt).Nach Einschätzung der IRU könnte der IAA jedoch auch den gewerblichen Straßenverkehr deutlich betreffen. Vorgesehen sei unter anderem, dass im Rahmen öffentlicher Vergaben und Förderprogramme Elektrofahrzeuge künftig bestimmte "Unionsursprung"-Kriterien ("Made in Europe") erfüllen müssen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Zwar unterstützt die IRU grundsätzlich das Ziel, die Industrie zu stärken und die Dekarbonisierung voranzutreiben, sieht in der aktuellen Ausgestaltung aber erhebliche Risiken.
Kritisiert werden steigende Kosten, mehr Bürokratie und größere Investitionsunsicherheit für Verkehrsunternehmen. Zudem könnte der Zugang zu Elektrofahrzeugen eingeschränkt werden, da globale Lieferketten weniger flexibel nutzbar wären. Besonders problematisch sei die geplante Übergangsfrist bis 2035, da sie Unsicherheit schaffe, ob bereits heute angeschaffte E-Fahrzeuge künftig noch für öffentliche Aufträge zugelassen sind.
Vertreter der IRU warnen vor möglichen "gestrandeten Vermögenswerten", etwa wenn funktionsfähige Fahrzeuge vorzeitig ersetzt werden müssten. Dies widerspreche auch der Kreislaufwirtschaft und würde die Kosten erhöhen. Besonders kleine und mittlere Betreiber könnten durch strengere Ursprungsregeln finanziell überfordert werden.
Damit die EU-Regeln in der Praxis funktionieren, fordert die IRU einen ausgewogenen Rahmen, der Preisentwicklung, Lieferengpässe, lange Vorlaufzeiten und Verzögerungen stärker berücksichtigt. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Beschaffungsflexibilität öffentlicher Auftraggeber sinkt und der Wettbewerbsdruck abnimmt. Der IAA könne zwar Industriepolitik und Klimaziele verbinden, so die IRU, aber nur, wenn er die Realitäten des Verkehrssektors ausreichend berücksichtigt und der Übergang wirtschaftlich tragfähig bleibt.MBI/sir/22.6.2026