Veröffentlicht: 21.04.2026
Tata Steel hat verbindliche Vereinbarungen mit Paul Wurth S.A. (Luxemburg), einem Teil der SMS Group GmbH, zur Implementierung der "EASyMelt-Technologie" geschlossen. Dies ist ein elektrisch unterstützter Synthesegas-Schmelzprozess, wie das Stahlunternehmen erklärt. Tata Steel beabsichtigt nach eigenen Angaben, die erste industrielle Demonstration dieser Technologie schrittweise im sogenannten "E"-Hochofen in seinem indischen Werk in Jamshedpur umzusetzen. Ziel des Projekts sei es, die CO2-Emissionen im Vergleich zum bisherigen Betrieb des Hochofens um mehr als 50 Prozent zu senken. Nach der Fertigstellung wird der Hochofen E von Tata Steel in Jamshedpur weltweit der erste sein, der auf EASyMelt umgerüstet wurde, so die SMS Group.
"Der Übergang zur kohlenstoffarmen Stahlproduktion wird davon abhängen, wie gut es uns gelingt, bestehende Produktionsökosysteme neu zu denken und zu transformieren. Bei Tata Steel treiben wir diesen Wandel durch eine gezielte Kombination aus Technologie, Innovation und starken Partnerschaften voran", sagt CEO T. V. Narendran. Die Zusammenarbeit mit der SMS Group markiere einen Meilenstein und beschleunige den Weg hin zur Klimaneutralität.Tata Steel Limited und die SMS Group unterzeichneten bereits im Juni 2023 eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei der Dekarbonisierung des Eisenerzeugungsprozesses. Nach einer erfolgreichen Vorstudie entschied Tata Steel, das Projekt schrittweise weiterzuführen. "Dieses Engagement eines Branchenführers ermöglicht es uns, unsere EASyMelt-Technologie in die Praxis umzusetzen", erklärt Jochen Burg, CEO der SMS Group. Der Bau der ersten EASyMelt-Anlage im industriellen Maßstab ebne den Weg für zukünftige Dekarbonisierungsprojekte in bestehenden Anlagen. Beide Unternehmen wollen gemeinsam an der Umsetzung und Weiterentwicklung der EASyMelt-Technologie arbeiten.Die Technologie ermöglicht nach Angaben von SMS den Betrieb von Hochöfen mit minimalem Koksverbrauch. EASyMelt zeichne sich dadurch aus, dass es Synthesegas in den Reduktionsprozess integriere und so die CO2-Emissionen erheblich senke. Synthesegas fungiert demnach als Reduktionsmittel und ersetzt die Rolle von Koks im Hochofen. Laut SMS wird Gichtgas-Recycling zur Herstellung von Synthesegas durch Reformieren von kohlenwasserstoffhaltigen Gasen wie Koksofengas verwendet. Das resultierende Synthesegas werde dann auf Schacht- und Blasformebene eingedüst. Plasmabrenner elektrifizieren den Prozess direkt, indem sie das in die Blasform eingedüste Synthesegas überhitzen. Dieser Prozess sei flexibel hinsichtlich der Energiequellen und könne mit Erdgas, Koksofengas, Wasserstoff, Ammoniak und auch mit Strom betrieben werden. Darüber hinaus könne EASyMelt auch weiterhin den konventionellen Sintereinsatz verarbeiten, wodurch die Abhängigkeit von Eisenerz, das von Direktreduktionsanlagen benötigt wird, vermieden werde. "Viele Märkte sehen sich konfrontiert mit Herausforderungen der Schrottverfügbarkeit, der Eisenerzqualität und des Zugangs zu grünen Energieträgern. EASyMelt bietet einen pragmatischen und innovativen Weg zur Erreichung der Dekarbonisierungsziele und schließt die Lücke zwischen der Verfügbarkeit von Eisenerz und der Nachfrage nach grünem Stahl", so SMS.MBI/gil/21.4.2026