Veröffentlicht: 07.04.2026
Die Europäische Methan-Verordnung (EU MER) stellt ein entscheidendes Instrument dar, um schwerwiegende Klimaauswirkungen zu verhindern. Ihre Umsetzung gleicht jedoch dem Versuch, ein Flugzeug während des Fluges zu bauen, während man gleichzeitig durch einen geopolitischen Hurrikan steuert, was zwangsläufig zu Spannungen führt. Die besondere Stärke und zugleich die größte Herausforderung der EU MER liegt darin, dass sie nicht nur die heimische Produktion, sondern auch Importe von Öl, Gas und Kohle reguliert. Da es sich um einen völlig neuen, verbindlichen Ansatz handelt, fungiert die Verordnung als wichtiger Entwurf für andere Importregionen weltweit.
Ein zentraler Aspekt der aktuellen Entwicklung ist die Rolle von Zertifikaten. Obwohl die EU MER diese nicht explizit vorschreibt, hat sie eine starke Nachfrage danach geschaffen – insbesondere in komplexen Wertschöpfungsketten wie in den USA, wo die Rückverfolgung von Emissionen schwierig ist. Dienstleister bieten Zertifikate nun als Lösung an, um die Implementierung zu unterstützen. Die Europäische Kommission hat hierbei Leitlinien herausgegeben, die sogenannte "Book-and-Claim"-Systeme validieren, um fossile Brennstoffe rückverfolgbar zu machen, was in der Praxis einer Anerkennung von Zertifizierungsmethoden gleichkommt.
Die entscheidende Frage ist jedoch nicht die Existenz von Zertifikaten an sich, sondern deren Qualität. Glaubwürdige Zertifikate müssen auf messbasierten Daten basieren, die unabhängig verifiziert wurden und den Standards von OGMP 2.0 Level 5 entsprechen. Erfreulicherweise ist eine solche messbasierte Überwachung weder technisch kompliziert noch teuer, da entsprechende Protokolle bereits existieren und von vielen Betreibern erfolgreich angewendet werden. Die Integrität dieses Systems wird zusätzlich durch unabhängige Datensätze gestärkt. So ermöglichen beispielsweise Satellitendaten von MethaneSAT eine empirische Überprüfung der von den Unternehmen selbst gemeldeten Emissionswerte.MBI/sir/7.4.2026