Veröffentlicht: 26.02.2026
Die Klima-Denkfabrik Carbon Market Watch schlägt Alarm. Aus ihrer Sicht nehmen Öl- und Gasunternehmen zu stark Einfluss auf den Markt für freiwillige CO2-Zertifikate. So sei der Shell der weltweit größte Käufer von Emissionszertifikaten auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt. Das zeuge aber nicht von Klimabewusstsein und Engagement. Vielmehr werde nur die Illusion sinnvoller Umweltmaßnahmen zu Schnäppchenpreisen gekauft, schreibt die Organisation in ihrer jüngsten Analyse. Zugleich nutzte die fossile Brennstoffindustrie ihren übergroßen Einfluss, um wichtige Entscheidungsgremien im freiwilligen Emissionshandel zu beeinflussen. Wenn man hinter die Kulissen schaue, werde klar, warum Öl- und Gasunternehmen sich dafür entscheiden, ihre Geschäfte auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt zu tätigen. Dieser unregulierte Raum ist laut Carbon Market Watch voll von billigen Emissionszertifikaten geringer Qualität und anfällig für den Einfluss derjenigen mit den tiefsten Taschen, wie beispielsweise der Öl- und Gaslobby.Vertreter der fossilen Brennstoffindustrie und Marktteilnehmer, die ein großes finanzielles Interesse an einem unternehmensfreundlichen und locker regulierten Kohlenstoffmarkt haben, haben laut der Analyse beispielsweise erfolgreich einen Weg gefunden, sich einen Sitz im Verwaltungsrat des Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM) und in einem wichtigen Stakeholder-Forum der Voluntary Carbon Markets Integrity Initiative (VCMI) zu sichern, die die Verhaltensregeln des Marktes festlegen.Die Öffnung der Tür für solche Interessengruppen bringe problematische Optionen mit sich, die gut für die großen Ölkonzerne, aber schlecht für das Klima seien, wie beispielsweise die Genehmigung von Ausgleichszahlungen mit minderwertigen Emissionszertifikaten auf Kosten der internen Dekarbonisierung.Die Unternehmen, die sich am stärksten gegen Klimaschutzmaßnahmen einsetzen, sind laut Carbon Market Watch äußerst aktive und berüchtigte Netzwerker. TotalEnergies gibt demnach selbst zu, dass es weltweit mit über 1.000 Berufsverbänden und Handelskammern verbunden ist. Shell und Chevron geben öffentlich ihre Beteiligung an mehr als 100 Verbänden bekannt, während andere berüchtigte Unternehmen behaupten, mit 50 oder mehr Verbänden in Kontakt zu stehen. In Wirklichkeit dürfte die Zahl sogar noch höher liegen.MBI/sir/26.2.2026