Veröffentlicht: 26.02.2026
Lebensmittel, die in Bioreaktoren auf Basis von tierischen Zellen produziert werden, dürften in naher Zukunft auch in Europa auf den Markt kommen. Das hält das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) nach aktuellem Stand für wahrscheinlich. Vorher seien allerdings einige Hürden zu überwinden, die einen Markteintritt derzeit noch schwierig machen, stellt das BZfE jetzt fest. So gebe es neben der langwierigen Zulassung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) derzeit noch technische Herausforderungen: Etwa weil viele Unternehmen bislang noch unter Laborbedingungen mit sehr kleinen Bioreaktoren oder ersten Pilotanlagen arbeiten. Produkte zu erschwinglichen Preisen anzubieten, ist so nicht möglich. Um nicht nur einzelne Restaurants, sondern auch Supermärkte beliefern zu können, müssten die Produkte in viel größerem Maßstab hergestellt werden, erklärt die Bundesbehörde. Entsprechende Produktionsanlagen sind jedoch erst in der Entwicklung. Eine weitere Hürde sieht das BZfE in der Akzeptanz der Verbraucher. Sie sind demnach noch nicht überzeugt von Produkten aus dem Bioreaktor. In den vergangenen Jahren hätten Akzeptanzstudien aus verschiedenen Ländern gezeigt, dass solche Lebensmittel als "unnatürlich" und als "weniger gut für die Gesundheit" angesehen würden, berichtet das Bundeszentrum. Dazu merkt Ramona Weinrich von der Universität Hohenheim in einem Interview mit dem BZfE an, dass die Skepsis vieler Konsumenten gegenüber lebensmitteltechnologischen Herstellungsverfahren durch Aufklärung überwunden werden müsse, um eine Akzeptanz auf breiter Basis zu erreichen. Ob Information allein dies bewerkstelligen können, sieht die Wissenschaftlerin als "erstmal ungewiss" an. Das BZfE bietet nun auf einer neuen Webseite mit dem Titel "Fleisch und Fisch aus dem Bioreaktor" fundierte Hintergrundinformationen zu diesem Thema an. Die Seite soll beleuchten, wie zellbasierte tierische Produkte hergestellt werden, welche möglichen Vorteile sie bieten und welche Herausforderungen noch vor einer Markteinführung liegen. In der Zukunft könnte nach Einschätzung der Bundesbehörde die Fleischerzeugung dann aussehen wie in einer modernen Brauerei: Anstelle von Nutztieren reihen sich Edelstahlbehälter aneinander – sogenannte Bioreaktoren. Sie ersetzen praktisch den tierischen Körper, in ihnen werden tierische Zellen zu Fleisch vermehrt. Dazu werden den Tieren Stammzellen entnommen. Allerdings müsse dabei kein Tier sterben, betont das BZfE.MBI/jc/ste/26.2.2026