Podiumsdiskussion auf der Hannover Messe/Versorgung mit Wasserstoff ist bei Grünstahl der Knackpunkt

Veröffentlicht: 03.04.2025

Die grüne Transformation der Stahlindustrie ist alternativlos, steht aber noch vor großen Herausforderungen. Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion auf der Hannover Messe. Beate Baron rechtfertigte die hohen staatlichen Zuschüsse für die deutschen Stahlhersteller, die sich in Deutschland bisher auf sieben Milliarden Euro belaufen: "Wir haben es hier mit einem neuen Markt zu tun. Aufgrund der großen CO2-Emissionen, die die Stahlindustrie verursacht, müssen wir schnell handeln, Prioritäten setzen und sicherstellen, dass die Stahlindustrie in Deutschland eine Zukunft hat", sagte Baron, die im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz für die Dekarbonisierung der Industrie zuständig ist. Dazu diene das Konzept der Leitmärkte, aber auch von staatlichen Rüstungsaufträgen könnten künftig "Nachfragesignale" für Grünstahl ausgehen. Wie Eike Brünger, Mitglied im Vorstand von Salzgitter Flachstahl, ausführte, hat die deutsche Stahlindustrie einen Anteil von acht Prozent am gesamten deutschen Kohlendioxid-Ausstoß. Der Salzgitter-Konzern allein steht für ein Prozent der CO2-Emissionen hierzulande. Dass Stahl komplett ohne fossile Energie produziert werden kann, steht für Brünger außer Zweifel, "technisch ist das kein Problem". Die große Herausforderung sei der Aufbau einer funktionierenden Lieferkette für Wasserstoff, mit dem die Direktreduktionsanlagen perspektivisch betrieben werden sollen. Solange es noch nicht genügend grünen Wasserstoff gebe, behelfe sich Salzgitter vorerst mit dem Einsatz von Erdgas. Salzgitter hat zwar schon die ersten Mengen Grünstahl auf den Markt gebracht, das sind jedoch nicht mehr als homöopathische Dosen, verglichen mit der gesamten Stahlproduktion des Unternehmens: Brünger zufolge liegt der Grünstahlanteil im niedrigen einstelligen Bereich. Wie er verhindern wolle, dass Salzgitter in Schönheit sterbe, wurde er daraufhin vom Moderator der Podiumsdiskussion gefragt. Brünger verwies auf das große Interesse, auf das der fossilfreie Stahl der Marke Salcos bei den Kunden stoße. Mit Marc Delobelle, Head of Fossil-Free Materials Purchasing bei der Volvo Group, saß ein Kunde Brüngers mit auf dem Podium. Der Einkäufer bekannte sich einerseits zu grünem Stahl, machte aber zugleich klar, dass Verfügbarkeit derzeit nicht gerade ein Kaufargument sei: "Es gibt einfach nicht genug CO2-reduziertes Material." Wie wichtig Stahl für Volvo ist, zeigt sich daran, dass der Werkstoff nach Delobelles Worten in der Produktion einen Materialanteil von 50 Prozent ausmacht. Aus diesem Grund sei der Fahrzeugbauer auf sichere Lieferquellen existenziell angewiesen. "Solange ungewiss ist, ob und wann grüner Stahl in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht, werden wir keine langfristigen Abnahmeverträge unterschreiben", machte Delobelle deutlich. Mark Krieger MBI/kri/gil/3.4.2025

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