Veröffentlicht: 27.03.2025
Mit zunehmenden Handelsspannungen besteht die Möglichkeit, dass das Aluminium aus dem kanadischen Hüttenzentrum Saguenay-Lac-Saint-Jean in Québec künftig nach Europa und nicht an US-Hersteller geliefert wird. Die Produktion soll nächstes Jahr anlaufen. Der Rohstoffkonzern Rio Tinto genehmigte das Projekt vor weniger als zwei Jahren, um das größte Aluminiumhüttenzentrum der westlichen Welt zukunftssicher zu machen. Die bestehenden Betriebe dort waren in die Jahre gekommen, eine davon sollte geschlossen werden. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach Aluminium in Nordamerika, und die Kunden benötigten dringend Nachschub, hieß es. In seiner ersten Amtszeit hatte US-Präsident Donald Trump unter anderem Kanada von einem Zoll von damals 10 Prozent auf Aluminiumimporte befreit. Nun sagt er, dass solche Abkommen Schlupflöcher schaffen, die von China ausgenutzt werden können. Auf Kanada entfallen fast 60 Prozent des im Ausland hergestellten Aluminiums, das in die USA gelangt. Laut den Analysten von Goldman Sachs ist Rio Tinto für etwa die Hälfte davon verantwortlich.Das AP60-Projekt im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar ist die bedeutendste Investition von Rio Tinto in Aluminium seit 2011, als das Unternehmen eine milliardenschwere Modernisierung der kanadischen Kitimat-Hütte in British Columbia genehmigte, eine Entwicklung, die das erwartete Budget weit überstieg. Das Projekt in Québec erweitert ein Pilotprojekt, bei dem eine Elektrolyse-Technologie zum Einsatz kommt, die das Unternehmen über Jahre hinweg entwickelt hat und die den Angaben zufolge derzeit die effizienteste und eine der kohlenstoffärmsten ist, die in großem Maßstab auf dem Markt erhältlich ist. Mit dem Projekt wird die jährliche Kapazität von derzeit rund 60.000 Tonnen auf etwa 220.000 Tonnen erhöht.Laut Rio Tinto erzeugt die AP60-Technologie in Verbindung mit Wasserkraft ein Siebtel der Treibhausgase pro Tonne Aluminium im Vergleich zum Branchendurchschnitt. "Es wird die kohlenstoffärmste Schmelzanlage der Welt sein, und eine sehr, sehr effiziente dazu", sagte Rio-Tinto-CEO Jakob Stausholm.Für das AP60-Projekt, das bereits mehr als zur Hälfte fertiggestellt ist, beschäftigt Rio Tinto mehr als 1.000 Arbeiter. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob die jüngsten Zölle das Handelsgefüge umkrempeln werden. Bei Bedarf könnte Rio Tinto aber kanadisches Aluminium in Märkte außerhalb der USA, wie etwa Europa, verkaufen, so Stausholm.MBI/DJN/gil/27.3.2025