Veröffentlicht: 21.03.2025
Radikale Veränderungen in der Schifffahrts- und Schiffbaupolitik der USA könnten nach Aussage von Rabobank-Volkswirt Michael Every zu einem weltweiten Anstieg der Frachtraten und insgesamt höheren Transportkosten führen, was nicht ohne Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung bliebe. Wie Every in einer Analyse schreibt, wollen die USA die Vormacht Chinas in der Handelsschifffahrt und beim Schiffbau brechen, indem sie unter anderem hohe Hafenzölle für in China oder mit chinesischen Teilen gebaute Schiffe verlangen. US-Industrieverbände laufen Sturm gegen entsprechende Vorschläge des US-Handelsbeauftragten, der bis 24. März Stellungsnahmen entgegennimmt. Folgende Vorschläge hat er gemacht:1. Von in China gebauten Schiffen, die US-Häfen anlaufen, sollen 1.000 US-Dollar pro Nettotonne Gewicht bis zu einem Höchstbetrag von 1 Million US-Dollar pro Ladung erhoben werden. Bei 1,5 Mio USDr soll der Höchstbetrag für in China gebaute und betriebene Schiffe liegen. Dies würde bei jedem Hafenaufenthalt auf einer Reiseroute gelten.2. Von allen Reedereien, die in China gebaute Schiffe einsetzen, soll dieser Satz auch dann erhoben werden, wenn sie den Hafen nicht anlaufen, sondern nur "nutzen". Der Satz wäre abhängig von ihrem "China-Anteil", mit einer gleitenden Skala von 25 bis 100 Prozent.3. Einführung von Frachtquoten für US-Ausfuhren nach dem Vorbild des Jones Act: 1 Prozent der aus den USA auszuführenden Güter müsste demnach 2025 von in den USA betriebenen und unter US-Flagge fahrenden Schiffen transportiert werden, 3 Prozent müssten es bis 2027 sein und 5 Prozent bis 2028. Bis dahin müssten 3 Prozent der für Exportzwecke genutzten Schiffe außerdem nicht nur den beiden oben genannten Kriterien genügen, sondern auch in den USA gebaut worden sein. 2032 sollen diese Quoten bei 15 beziehungsweise 5 Prozent liegen."Diese Vorschläge würden zu einem sofortigen Anstieg der Kosten für fast alle Seeverkehrsunternehmen führen. Rein rechnerisch könnten die Frachtraten auf den wichtigsten US-Handelsrouten wieder auf die Niveaus steigen, die während der frühen Huthi-Krise herrschten, schreibt Every. Da diese Vorschriften auch für Schüttgüter wie Sojabohnen, Mais, Kohle, Öl oder LNG gelten würden, bekäme das Ganze eine internationale Dimension.Eine erste Folge solcher Vorschriften - wenn sie denn so beschlossen werden - wäre nach Everys Meinung, dass sich der weltweite Schiffsbestand in eine China- und eine Nicht-China-Flotte teilen würde. Der China-Teil hätte jede Menge freie Kapazitäten, der Nicht-China-Teil wäre stark überausgelastet. Die andere Frage ist, ob die USA es schaffen, so viele Schiffe zu bauen, wie sie brauchen. Every hält Kooperationen mit Japan und Südkorea für möglich, wobei dieses Problem auch noch eine militärische Komponente hat.MBI/DJN/ssc/21.3.2025