Veröffentlicht: 01.12.2023
Die Bundesnetzagentur hat die Bundesregierung angesichts der vermehrten Kohleverstromung an die Klimaziele erinnert. Im Monitoringbericht 2023 der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes riefen beide Behörden zu größeren Anstrengungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf, damit das von der Bundesregierung gesetzte Ziel von einem Bruttostromverbrauch zu mindestens 80 Prozent aus Erneuerbaren erreicht werden kann.
"Um Versorgungsengpässen vorzubeugen, hat der Gesetzgeber mit einer befristeten Rückkehr der Kohlekraftwerke und einer Laufzeitverlängerung für die restlichen Kernkraftwerke in 2022 reagiert. Diese Maßnahmen haben sich als wirksam erwiesen, dennoch dürfen wir die Klimaziele nicht aus den Augen verlieren", mahnte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.
Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, sagte zudem, man müsse einen Blick auf die Marktdominanz einzelner Unternehmen in der konventionellen Stromerzeugung werfen.
"Auch wenn die Marktkonzentration hier nach einem Anstieg im Vorjahr im Jahr 2022 wieder zurückgegangen ist, bleibt es dabei, dass RWE und einige weitere Erzeuger für die Deckung der Stromnachfrage zunehmend unverzichtbar sind", sagte Mundt. "Hier müssen wir den Markt weiterhin aufmerksam beobachten, zumal die Bedeutung von Stromimporten für die Begrenzung der Marktmacht inländischer Stromerzeuger größer, zum Teil unerlässlich, geworden ist."
Bei der Stromerzeugung hat dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 2022 die Verknappung von Erdgas durch die Beendigung der Gasimporte aus Russland und die daraus resultierenden gestiegenen Gaspreise an den Großhandelsmärkten zu einem Rückgang der Stromerzeugung aus Erdgas um gut 14 Prozent geführt.
Im Gegenzug ist die Stromerzeugung durch Braunkohlekraftwerke um gut fünf Prozent gestiegen, während jene durch Steinkohlekraftwerke rund 14 Prozent über dem Vorjahreswert lagen. Insgesamt nahm die deutschlandweite Nettostromerzeugung in 2022 aufgrund des gesunkenen Stromverbrauchs leicht ab, so der Bericht.
Bei den Gasimporten waren dem Bericht zufolge in 2022 Deutschlands wichtigste Bezugsquellen Norwegen, die Niederlande und Belgien mit einem Volumen von insgesamt 983 Terawattstunde. Das entspricht rund 68 Prozent aller deutschen Gasimporte. Müller betonte, dass Deutschland weiterhin die geplanten Flüssiggas-Terminals benötige, um Deutschlands Gasquellen weiter zu diversifizieren.
Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien hat 2022 aufgrund des starken Zubaus von Wind- und Photovoltaikanlagen und einer starken Sonneneinstrahlung im Jahr 2022 um rund 8 Prozent zugenommen, wie es in dem Bericht heißt. Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch stieg demnach auf 45 Prozent an, nachdem er 2021 noch 40 Prozent betragen hatte.
Die gesetzlichen Ausbaupfade seien für Wind an Land, Photovoltaik sowie Biomasse im Jahr 2022 erreicht worden. Dies ist den Behörden zufolge aber kein Grund, um mit den Anstrengungen nachzulassen.
"Um die erhöhten Ausbauziele für 2030 zu erreichen, ist allerdings ein noch höherer Zubau unausweichlich", erklärten die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt.
Zwar habe der fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Erzeugung bei gleichzeitigen Verzögerungen im Netzausbau zu Netzengpässen geführt. Aber dennoch hätten rund 97 Prozent des erneuerbaren Stroms tatsächlich zu den Verbrauchern transportiert werden können.
MBI/DJN/map/1.12.2023